15. Dezember

Vom Helechrist und Has’poppen

Am Christabend pflegt man den unartigen Kindern zu drohen, der „Ruhklas“ werde kommen und sie in den Sack stecken, während das „Kind Jes“ (Kinnjes) die artigen beschenkt.

Beyer in den Mecklenb. Jahrb. 20, 153 f. Vgl. Ruh-Clasen, welche die Kinder aufziehen. Franck A. und N. Mecklenburg I, 257.

In Mecklenburg waren die Weihnachtsbräuche schon immer stark von heidnischen Umtrieben geprägt. 1682 ärgerte das den damaligen Herzog Gustav Adolf von Güstrow so sehr, dass er die „Abschaffung des bishero bei dem Heil. Christ-Fest gebrauchten abgöttischen und ärgerlichen Wesens“ per Erlass befahl. Mecklenburg wäre jedoch nicht Mecklenburg, wenn das auch nur einen interessiert hätte.

Die heidnischen Umtriebe, also die in der Adventszeit übliche Vermummung als Christkind oder auch „Rug’Klaas“, blieb bis weit in die 1930 Jahre erhalten. Vorweihnachtliche Sagengestalten gab es in Mecklenburg zu allen Zeiten ohnehin mehr als genug, ob nun den „Zägenbuck“, das „Kind Jes“, den „Knapperdachs“ oder andere Gestalten. Unter den Masken befanden sich meist unverheiratete Knechte, die allerlei Spiele aufführten und mit den jungen Mägden Schabernack trieben. Als Belohnung gab es kleine Geschenke. Mit dem Sinn des Weihnachtsfestes hatten die Spiele meist nicht viel gemein.

Eine Tradition, die ich als Kind noch selbst kennenlernen durfte, waren die Has’poppen am Morgen des Heiligabends, dem 24. Dezember. Das sind kleine Teigfigürchen aus Mehl und Wasser, die mit Zuckerstreuseln verziert und in der Nacht zum 24. Dezember auf die Fensterbänke der Kinderzimmer gelegt werden. Am Morgen ist das eine erste süße Überraschung, die die Zeit zur Bescherung verkürzen soll. Wird Safran mit im Teig verbacken, werden sie Safranpöppings genannt. Bei meinem Vater waren auch noch kleine Geldstücke mit im Teig versteckt, die hatte natürlich der „Helechrist“ also das Christkind gebracht. Ursprünglich waren das wohl Opfergaben, die am Julfest dargebracht wurden. In christlicher Zeit wurden sie dann als Darstellung der Hirten und ihrer Schafsherde umgedeutet.

Meine Oma hat mir auch von seltsamen Bräuchen der mecklennburgischen Bauern in ihrer Kindheit erzählt: So warfen einige am Heiligabend Geldstücke in die Tränken des lieben Viehs, wodurch die Kühe im nächsten Jahr mehr Milch geben sollten. Bei einigen lag die Münze bis Neujahr in der Tränke und wurde dann beim Kirchgang am Neujahrstag in den Klingelbeutel gelegt. Wieder andere schmissen erst ihren Hund in die Tränke, ehe die Pferde trinken durften, das sollte sie vor Krankheiten schützen.

Eine weitere Erinnerung an Weihnachten ist der Weihnachtspunsch meines Opas: Die Basis war entweder Sanddorn- oder Holundersaft mit Zimt, Nelken und Anis gewürzt. Danach folgte die „Heilige Dreifaltigkeit“ meines Großvaters Rotwein, Cognac und Korn. Überflüssig zu erwähnen, dass die Erwachsenen nach dem Genuss recht heiter und ausgelassen wurden. Was Sie mit diesem „Geheimwissen“ jetzt anstellen, überlasse ich natürlich ganz Ihnen. (Prost!)

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